An die Nachwelt

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23. Dezember 1943
Alfons Maria Wachsmann
Ich bin in großer Sorge, wie Du den Heiligen Abend verleben wirst. 1897 verloren wir Weihnachten den Vater, vor zwei Jahren rief Gott gerade zu Weihnachten unsere geliebte Mutter heim. In diesem Jahr ist Dir der Bruder genommen, der auf Erden unter allen Menschen nur Dich geliebt hat und jetzt hoch verehrt. Bei mir ist der Rahmen des Festes klar umgrenzt: die Kerkerzelle. So arm wie in diesem Jahr habe ich noch nie an der Krippe gekniet. Mir ist alles abgesprochen, mein Heim, meine Ehre, mein Leben. So will ich an der Krippe dessen knien, der nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, der als Freund seines Volkes zum Tode verurteilt wurde, der sein Blut als Trankopfer ausgoss für das Heil seines Volkes und der ganzen Welt. Als Gabe trage ich zur Krippe: Hunger und Kälte, Einsamkeit und Verlassenheit. Mein einziger Schmuck sind die blanken Fesseln.
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Alfons Maria Wachsmann 23. Dezember 1943 Ich bin in großer Sorge, wie Du den Heiligen Abend verleben wirst. 1897 verloren wir Weihnachten den Vater, vor zwei Jahren rief Gott gerade zu Weihnachten unsere geliebte Mutter heim. In diesem Jahr ist Dir der Bruder genommen, der auf Erden unter allen Menschen nur Dich geliebt hat und jetzt hoch verehrt. Bei mir ist der Rahmen des Festes klar umgrenzt: die Kerkerzelle. So arm wie in diesem Jahr habe ich noch nie an der Krippe gekniet. Mir ist alles abgesprochen, mein Heim, meine Ehre, mein Leben. So will ich an der Krippe dessen knien, der nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, der als Freund seines Volkes zum Tode verurteilt wurde, der sein Blut als Trankopfer ausgoss für das Heil seines Volkes und der ganzen Welt. Als Gabe trage ich zur Krippe: Hunger und Kälte, Einsamkeit und Verlassenheit. Mein einziger Schmuck sind die blanken Fesseln.
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