An die Nachwelt

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[undatiert]
Erika von Brockdorff
Mein Cay! Wie magst Du in diesen Tagen um mich gebangt haben. Ich habe wohl mehr an Dich gedacht als an mich. Ich weiß, dass, wenn Du zehn Leben hättest, Du sie alle für mich hingeben würdest. Aber hier kann mir ja nun wirklich niemand helfen. Diesen Weg müssen wir alle allein gehen. Noch mein letzter Atemzug wird ein Dank an das Schicksal sein, dass ich Dich lieben und mit Dir sieben Jahre leben durfte. Ich hätte Dich so gerne noch einmal gesehen, aber da ich keinerlei Vergünstigungen haben soll, bin ich zu stolz, eine vergebliche Bitte zu tun, ebenso, wie ich auch kein Gnadengesuch geschrieben habe, weil mein Tod ja eine beschlossene Sache ist. Ich halte mit Dir Zwiesprache, mein Liebes. Eben habe ich mir von Dir das Versprechen geben lassen, dass Du nicht lange traurig sein wirst, denn Du würdest mir die Ruhe für die letzten Tage rauben, die ich doch brauche, wenn ich durch das dunkle Tor gehe. Niemand soll sagen können von mir, ohne zu lügen, ich hätte geweint und am Leben gehangen und darum gezittert. Lachend will ich mein Leben beschließen, so wie ich das Leben lachend am meisten liebte und noch liebe. Mein lieber Cay, nun will ich mich von Dir verabschieden. In dieser Not blieb uns kein Freund als Mut und schneller Tod. Sei mir zum letzten Mal gegrüßt, mein Liebes. Was ich Dir schon einmal sagen konnte, muss ich Dir auch in dieser Stunde sagen: Mein Leben war ohne Dich nichts, es hat durch Dich erst Sinn und Inhalt bekommen. Das bewährt sich jetzt. Denke ab und zu an mich, aber sei nicht traurig. Ich bin gefasst und sehr ruhig. Es tröstet mich die Einsicht in die Notwendigkeit. Alles Gute für Dich, für Deine Zukunft. Deine Erika
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Reiner Text
Erika von Brockdorff [undatiert] Mein Cay! Wie magst Du in diesen Tagen um mich gebangt haben. Ich habe wohl mehr an Dich gedacht als an mich. Ich weiß, dass, wenn Du zehn Leben hättest, Du sie alle für mich hingeben würdest. Aber hier kann mir ja nun wirklich niemand helfen. Diesen Weg müssen wir alle allein gehen. Noch mein letzter Atemzug wird ein Dank an das Schicksal sein, dass ich Dich lieben und mit Dir sieben Jahre leben durfte. Ich hätte Dich so gerne noch einmal gesehen, aber da ich keinerlei Vergünstigungen haben soll, bin ich zu stolz, eine vergebliche Bitte zu tun, ebenso, wie ich auch kein Gnadengesuch geschrieben habe, weil mein Tod ja eine beschlossene Sache ist. Ich halte mit Dir Zwiesprache, mein Liebes. Eben habe ich mir von Dir das Versprechen geben lassen, dass Du nicht lange traurig sein wirst, denn Du würdest mir die Ruhe für die letzten Tage rauben, die ich doch brauche, wenn ich durch das dunkle Tor gehe. Niemand soll sagen können von mir, ohne zu lügen, ich hätte geweint und am Leben gehangen und darum gezittert. Lachend will ich mein Leben beschließen, so wie ich das Leben lachend am meisten liebte und noch liebe. Mein lieber Cay, nun will ich mich von Dir verabschieden. In dieser Not blieb uns kein Freund als Mut und schneller Tod. Sei mir zum letzten Mal gegrüßt, mein Liebes. Was ich Dir schon einmal sagen konnte, muss ich Dir auch in dieser Stunde sagen: Mein Leben war ohne Dich nichts, es hat durch Dich erst Sinn und Inhalt bekommen. Das bewährt sich jetzt. Denke ab und zu an mich, aber sei nicht traurig. Ich bin gefasst und sehr ruhig. Es tröstet mich die Einsicht in die Notwendigkeit. Alles Gute für Dich, für Deine Zukunft. Deine Erika
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