An die Nachwelt

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Aus Zügen geworfen, unter der Erde verscharrt, in Thermoskannen versteckt – die letzten Nachrichten und Zeitzeugnisse von NS-Opfern gegen das Vergessen bilden einen Atlas der Individualität. Wir werden die Dimension des Holocaust nicht begreifen ohne den Blick darauf, wer vernichtet wurde. Wir müssen die Aufzeichnungen bergen, wiederbeleben und weitergeben. Sie sind der Imperativ des Humanismus: Seht die Menschen!
Wir müssen das Böse fürchten lernen. Es war möglich. Es ist möglich. Es bleibt möglich. Vergessen nimmt uns die Angst – vor den Möglichkeiten der Politik.

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08. November 1944
Hanna Lévy-Hass
Wir sind nicht tot, aber wir sind Tote. Man hat es fertig bekommen, in uns nicht nur das Recht auf das gegenwärtige Leben abzutöten... bei vielen von uns sicher auch das auf das künftige Leben… aber die tiefste Tragik liegt darin, dass es ihnen durch ihre sadistischen und perversen Methoden gelungen ist, jede Regung eines früheren menschlichen Lebens, jedes Gefühl normaler Wesen mit einer normalen Vergangenheit abzutöten, ja selbst das Bewusstsein, einmal als Menschen, die dieses Namens würdig waren, existiert zu haben. Ich denke nach, ich will es... und ich erinnere mich an absolut nichts. Als ob es sich nicht um mich selber handeln würde. Alles ist in meinem Geist ausgelöscht.
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Hanna Lévy-Hass 08. November 1944 Wir sind nicht tot, aber wir sind Tote. Man hat es fertig bekommen, in uns nicht nur das Recht auf das gegenwärtige Leben abzutöten... bei vielen von uns sicher auch das auf das künftige Leben… aber die tiefste Tragik liegt darin, dass es ihnen durch ihre sadistischen und perversen Methoden gelungen ist, jede Regung eines früheren menschlichen Lebens, jedes Gefühl normaler Wesen mit einer normalen Vergangenheit abzutöten, ja selbst das Bewusstsein, einmal als Menschen, die dieses Namens würdig waren, existiert zu haben. Ich denke nach, ich will es... und ich erinnere mich an absolut nichts. Als ob es sich nicht um mich selber handeln würde. Alles ist in meinem Geist ausgelöscht.
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Nachwort

Ich habe Angst vor Menschen – ich habe vor nichts solche Angst wie vor Menschen. Wie gut und wie böse sie werden können, dafür gibt es kein Maß, keine Basis, keine Sicherheit.

[…] Hier waren aber kleine Beamte, Handwerker, junge Mädchen, Frauen. Die ganze Bosheit, die ihnen innewohnte, hätte sich unter anderen Umständen höchstens in Tratsch, Übervorteilen, Tyrannei im Familienkreis und dergleichen ausgelebt.

Grete Salus