An die Nachwelt

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Aus Zügen geworfen, unter der Erde verscharrt, in Thermoskannen versteckt – die letzten Nachrichten und Zeitzeugnisse von NS-Opfern gegen das Vergessen bilden einen Atlas der Individualität. Wir werden die Dimension des Holocaust nicht begreifen ohne den Blick darauf, wer vernichtet wurde. Wir müssen die Aufzeichnungen bergen, wiederbeleben und weitergeben. Sie sind der Imperativ des Humanismus: Seht die Menschen!
Wir müssen das Böse fürchten lernen. Es war möglich. Es ist möglich. Es bleibt möglich. Vergessen nimmt uns die Angst – vor den Möglichkeiten der Politik.

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09. Juni 1944
Johanna Kirchner
Es muss geschieden sein. Meine ganze Liebe und mein Segen wird aber immerdar bei Euch sein. Ich gehe tapfer und unverzagt meinen letzten Gang. Und meine letzte große Herzensbitte an Euch ist: seid auch tapfer und unverzagt. Lasst Euch vom Leid nicht niederdrücken, denkt an das große Goethewort „Stirb und werde“. Ich wünschte ihr könntet mich jetzt in meiner letzten Stunde sehen, wie tapfer und unverzagt ich bin und dass in mir nur lebt die Erinnerung und die Liebe an Euch und Eure Liebe zu mir und mein Herzenswunsch: werdet glücklich und seid tapfer, es kommt eine bessere Zukunft für Euch, meine Liebe und mein Segen ist immerdar bei Euch, lebt wohl.
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Johanna Kirchner 09. Juni 1944 Es muss geschieden sein. Meine ganze Liebe und mein Segen wird aber immerdar bei Euch sein. Ich gehe tapfer und unverzagt meinen letzten Gang. Und meine letzte große Herzensbitte an Euch ist: seid auch tapfer und unverzagt. Lasst Euch vom Leid nicht niederdrücken, denkt an das große Goethewort „Stirb und werde“. Ich wünschte ihr könntet mich jetzt in meiner letzten Stunde sehen, wie tapfer und unverzagt ich bin und dass in mir nur lebt die Erinnerung und die Liebe an Euch und Eure Liebe zu mir und mein Herzenswunsch: werdet glücklich und seid tapfer, es kommt eine bessere Zukunft für Euch, meine Liebe und mein Segen ist immerdar bei Euch, lebt wohl.
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Nachwort

Ich habe Angst vor Menschen – ich habe vor nichts solche Angst wie vor Menschen. Wie gut und wie böse sie werden können, dafür gibt es kein Maß, keine Basis, keine Sicherheit.

[…] Hier waren aber kleine Beamte, Handwerker, junge Mädchen, Frauen. Die ganze Bosheit, die ihnen innewohnte, hätte sich unter anderen Umständen höchstens in Tratsch, Übervorteilen, Tyrannei im Familienkreis und dergleichen ausgelebt.

Grete Salus