An die Nachwelt

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Aus Zügen geworfen, unter der Erde verscharrt, in Thermoskannen versteckt – die letzten Nachrichten und Zeitzeugnisse von NS-Opfern gegen das Vergessen bilden einen Atlas der Individualität. Wir werden die Dimension des Holocaust nicht begreifen ohne den Blick darauf, wer vernichtet wurde. Wir müssen die Aufzeichnungen bergen, wiederbeleben und weitergeben. Sie sind der Imperativ des Humanismus: Seht die Menschen!
Wir müssen das Böse fürchten lernen. Es war möglich. Es ist möglich. Es bleibt möglich. Vergessen nimmt uns die Angst – vor den Möglichkeiten der Politik.

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16. Dezember 1944
Blanka Levi
Ich kann nicht beschreiben, in welchem seelischen Zustand ich diesen Brief schreibe. Seit acht Tagen sind wir im Waggon eingesperrt. Von 77 Personen – 65 Männer und 12 Frauen – sind bisher 14 geflohen, und ich weiß nicht, ob ich nicht dasselbe tun sollte. [...] Ich denke, dass ich versuchen werde zu fliehen, denn wenn ich scheitere und gefasst werde – dann ist wenigstens der Tod sicher.
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Blanka Levi 16. Dezember 1944 Ich kann nicht beschreiben, in welchem seelischen Zustand ich diesen Brief schreibe. Seit acht Tagen sind wir im Waggon eingesperrt. Von 77 Personen – 65 Männer und 12 Frauen – sind bisher 14 geflohen, und ich weiß nicht, ob ich nicht dasselbe tun sollte. [...] Ich denke, dass ich versuchen werde zu fliehen, denn wenn ich scheitere und gefasst werde – dann ist wenigstens der Tod sicher.
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Nachwort

Ich habe Angst vor Menschen – ich habe vor nichts solche Angst wie vor Menschen. Wie gut und wie böse sie werden können, dafür gibt es kein Maß, keine Basis, keine Sicherheit.

[…] Hier waren aber kleine Beamte, Handwerker, junge Mädchen, Frauen. Die ganze Bosheit, die ihnen innewohnte, hätte sich unter anderen Umständen höchstens in Tratsch, Übervorteilen, Tyrannei im Familienkreis und dergleichen ausgelebt.

Grete Salus